Samstag, 13. Juni 2009

Gefesselt

Verstohlen schaue ich zu ihr,
Obwohl ich eigentlich nicht wollte.
Irgendetwas spricht zu mir,
Mein Mitleid, obwohl es doch nicht sollte.

Unsere Blicke verraten uns.
Hat Sie sie bemerkt?
Kein Wort kommt aus meinem Mund.
Dort drüben lächelt sie vor sich hin, verunsichert.

Sie hat Ihre Hände im Schoß,
Verängstigt suchen sie nach Halt.
Warum stellen wir sie so bloß?
In Ihrem Stuhl wirkt sie gebrechlich und alt.
Warum steckt in meinem Hals ein dicker Kloß?
Der Raum wirkt plötzlich so kalt.
Mensch, was ist nur mit uns los?

Alle laufen in der Gegend umher,
Nur Ihre Beine bleiben starr.
Ihre Position ist tiefer,
So wie als ich Sie das erste Mal sah.

Jetzt lächelt Sie mich an,
Und ich weiß, nun bin ich an der Reihe dran.
Denn ich bin es, der Ihr helfen kann.
Deshalb trete ich an Sie heran,
Und schiebe Sie in Ihrem Rollstuhl an den starrenden Menschen entlang.

© by Sarah, Februar 2009

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