Sonntag, 20. November 2011

Bipolar

Wir haben uns verkannt
Jemand anderen im jeweils anderen erkannt
Wir haben uns verrannt
Uns gegenseitig gedrängt, bis dicht an den Rand

Dort standen wir, kurz vor der Kante
Wir schauten herab
Wussten die Zeit wird langsam knapp
Drehten uns um und schauten zurück
Drehten herum und liefen gebückt
Wo liegt das Glück
Wir haben es wohl Stück für Stück erdrückt

Jetzt stehen wir hier und schauen uns an
Zucken mit den Achseln
Wir glauben nicht mehr dran
Die Suche dauert ein Leben lang
Gibt es etwas Neues? Spürt Du nicht den Drang?
Stets weiterzugehen
Ohne ständig zurückzusehen und sich im Kreis zu drehen

Denn hinter mir stehst doch nur Du
Hör auf zu schreien, gib endlich Ruh!
Ich brauche Dich nicht mehr
Der letzte Abschied ist greifbar, ohne Wiederkehr

Du willst Abenteuer, ich will Liebe
Ich denke nach, Du hörst auf Deine Triebe

Du willst handeln, ich will reden
Ich will planen, Du im hier und jetzt leben

Egal wie sehr wir uns bemühen
Die Unterschiede bleiben groß
während ich noch lerne bist Du schon am vorglühen
fällst Du gerade ins Bett, muss ich schon wieder los

Du willst an den Strand, ich nach Schweden
Dir reicht Penny, ich bevorzuge Bio-Läden

Du verlässt Dich auf Dein Bauchgefühl, ich auf meinen Verstand
Du trinkst Milch pur, ich bin Lactose-intolerant

Wer sagt, Gegensätze ziehen sich an
ist in der Liebe arm dran
Denn auf Dauer wiegt die Distanz zu schwer
Und die Mitte bleibt letztlich leer

Wenn ich renne
Bist Du wie Blei an meinen Beinen
Will ich umarmt werden
Lässt Du mich allein

Bin ich ein Blatt, das im Winde weht
Bist Du der Baumstamm, der sich nie bewegt

Ich bin Apple, Du Microsoft
Ich liebe Blockhütten, Du nimmst das Loft

Mit dieser letzten Strophe
Ziehe ich den Schlussstrich
Unter diese Beziehung, diese Katastrophe
Ich zelebriere ihn feierlich
Von nun an interessierst Du mich nicht
Du bist die Finsternis und hiermit mach ich endlich wieder Licht!


© by Sarah, Juni 2011

Das Ticken der Uhren

Ich sehe rot, ich sehe blau
Ich sehe gelb, ich sehe grau
All die Farben, die am Himmel steh’n
All die Gefühle, die über Jahre verloren geh’n

Die Sonne weicht der Nacht
Die Farben des Tages haben dem Schwarz Platz gemacht
Während langsam die letzten Sonnenstrahlen verschwinden
versuchen wir uns im Dunklen zurecht zu finden

Und wie unsere Augen ihre Zeit brauchen
Sich an die Finsternis zu gewöhnen
So wird auch unser Herz etliche Stunden rauben
Um sich langsam mit der Vergangenheit zu versöhnen

Irgendwann finden die tastenden Hände Halt
Irgendwann erkennen die Augen erste Konturen
Irgendwann dann, später oder jetzt, vielleicht erst bald
Lebst du wieder, spürst die Zeit und hörst das Ticken der Uhren

© by Sarah, Februar 2011